Hecken aus gebietseigenen Gehölzen gepflanzt

16.12.2019

Am nördlichen Dresdner Stadtrand, in der Ortschaft Langebrück fanden Ende November/Anfang Dezember 2019 umfangreiche landschaftsbauliche Maßnahmen statt. Die untere Naturschutzbehörde (UNB) Dresden ließ hier auf zwei Flächen Hecken mit einer Gesamtlänge von knapp 1,5 Kilometern pflanzen. Daneben wurden auch Streuobstwiesen angelegt und Straßenbäume entlang der Schönborner Straße gepflanzt. Beide Flächen befinden sich nun in der Umstellungsphase von konventioneller zu Öko-Landwirtschaft, in diesem Zuge wurden Teilflächen von Acker in extensives Dauergrünland umgewandelt.

Die neu entstandenen Gehölzstrukturen dienen der Wiederherstellung wertvoller Lebensräume in der Langebrücker Feldflur und wurden im Rahmen von Kompensationsmaßnahmen finanziert. Bereits in den vergangenen Jahren sind im Langebrücker-Weixdorfer Hügelland eine ganze Reihe von Naturschutzvorhaben umgesetzt worden: Zahlreiche Feldhecken, Feuchtbiotope und Streuobstwiesen wurden neu angelegt oder renaturiert. Für alle Gehölze und Saatgut wurde dabei auf gebietsheimisches Material zurückgegriffen, soweit dieses bereits verfügbar war. Zielvorlage ist dabei immer der Landschaftsplan, der Maßnahmen zur Aufwertung der ausgeräumten Agrarlandschaft aufzeigt, z.B. bezüglich Bodenerosion, Biotopverbund, Artenvielfalt und Naherholung.

Etwas Besonderes sind die zwei nun entstandenen Hecken zwischen Langebrück und Schönborn: Zum einen wurden ausschließlich gebietseigene Pflanzen verwendet und damit in vorbildlicher Weise die Vorgaben des §40 (1) des Bundesnaturschutzgesetzes umgesetzt. Zum anderen sollen die neu angelegten Hecken zukünftig auch einem sehr wichtigen Zweck dienen: Als sogenannte Vermehrungshecken bilden sie Erhaltungsbestände pflanzengenetischer Ressourcen in Sachsen und können in einigen Jahren für die Gewinnung von Saatgut zur Verfügung stehen.

Dazu wurden zwischen 2015 und 2017 im Rahmen der Projektreihe „DiverGen“ des Deutschen Verbandes für Landschaftspflege (DVL) e.V. anerkannte gebietseigene Gehölzbestände beerntet. Das Erntegut wurde bis 2019 gezielt zur Anlage von Vermehrungshecken angezogen und verschult. In den neuen Hecken in Langebrück wurden nun knapp 1.900 Pflanzen von 12 Arten ausgepflanzt. Unter den ausgebrachten Arten finden sich beispielsweise Weißdorn, Europäisches Pfaffenhütchen, Hundsrosen, Gewöhnliche Schlehe und Blutroter Hartriegel.

Bislang kann das für die Produktion von gebietseigenen Gehölzen benötigte Saatgut in Sachsen nur von eigens dafür kartierten und anerkannten Wildbeständen mit der Genehmigung durch die zuständige UNB gesammelt werden. Anzahl, Erhaltungszustand, Lage und Erreichbarkeit der anerkannten Bestände begrenzen jedoch das Beerntungspotenzial. Die Anlage von Vermehrungshecken kann die Gewinnung von Gehölzsaatgut und -stecklingen vereinfachen, da mehrere Gehölzarten in ausreichender Menge an einem einzigen Standort verfügbar sind.

In Sachsen wurde bereits 2013 mit der Anlage von Hecken, die zukünftig als Vermehrungshecken gebietseigener Gehölze dienen könnten, begonnen – unter anderem mit Unterstützung des Vorgängerprojektes „DiverGen“ des DVL e.V. Im Vogtland (Vorkommensgebiet 3) sind die Pflanzungen an einem Heckenstandort inzwischen abgeschlossen, ein weiterer Standort befindet sich derzeit im Aufbau. Im Vorkommensgebiet 2 wurden im Dezember 2019 neben den Hecken in Langebrück noch weitere Hecken mit den gebietseigenen Gehölzen des DiverGen-Projektes gepflanzt: Ebenfalls unter Federführung der unteren Naturschutzbehörde Dresden entstanden dabei im Schönfelder Hochland bei Dresden mehrere Hecken mit insgesamt 800 Metern Länge und in Kleinthiemig im Landkreis Meißen eine Hecke mit 300 Metern Länge.

Wir freuen uns sehr über die neuen gebietseigenen Hecken und danken der unteren Naturschutzbehörde Dresden, den FlächeneigentümerInnen und PächterInnen sowie den Leutersdorfer Baumschulen für die gelungene Zusammenarbeit!

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Angelieferte Jungpflanzen für die Streuobstwiesen, Straßenbäume und Hecken (Foto: Bertram Herrmann).

Jeder bekommt sein Plätzchen: Ablage der Gehölze in die frisch gebohrten Pflanzlöcher (Foto: Andreas Franke).

Noch sind die Schutzzäune imposanter als die Pflanzen. In 3-4 Jahren wird das schon ganz anders aussehen (Foto: Monika Riepl).

Hecke aus gebietseigenen Gehölze, die zwischen 2013 und 2019 im Vogtland angelegt wurde (Foto: René Schubert).