Feldtag zum Thema „Wildpflanzenvermehrung“ mit dem Fachschulzentrum Freiberg-Zug

24.05.2022

Am 12. Mai 2022 öffnete der Landwirt Karl Koch die Tore zu seinem Betriebsgelände für die Abschlussklassen des Fachschulzentrums Freiberg-Zug. Der in Zusammenarbeit mit dem DVL-Projekt „Wildes säen – Vielfalt ernten“ durchgeführte Feldtag bot den Schülerinnen und Schülern Einblicke in den wenig bekannten Betriebszweig des Anbaus und der Vermehrung von Wildpflanzen.

Insgesamt 18 angehende Absolvent*innen der dreijährigen Fachschulausbildung zur/zum staatlich geprüften Techniker/in für Landbau besuchten zusammen mit ihrem Lehrer Andreas Golde den landwirtschaftlichen Betrieb von Karl Koch im nordsächsischen Wölkau. Auch Karl Koch, der vor über 10 Jahren mit dem Anbau verschiedener Wildgräser und -kräuter auf seinen Ackerflächen begann, lernte einst im Fachschulzentrum. Heute vermehrt er etwa 20 Wildpflanzen-Arten auf insgesamt 30 Hektar, darunter Mädesüß (Filipendula ulmaria), Kuckucks-Lichtnelke (Silene flos-cuculi) und Barbara-Kraut (Barbarea vulgaris).

Um den Fachschülerinnen und Fachschülern einen Überblick über die Hintergründe und fachlichen Grundlagen der Produktion von regionalem Wildpflanzensaatgut zu geben, wurde der Feldtag durch einen Einführungsvortrag von Maria Höhne, der Leiterin des DVL-Projektes „Wildes säen – Vielfalt ernten“ eingeläutet. Neben den einzelnen Produktionsschritten bei der Wildpflanzenvermehrung, wurde dabei auch auf die Themen Zertifizierung und Vermarktung des Saatgutes eingegangen.

Nach einer Vorstellung seines Betriebs und seines Werdegangs als Wildpflanzen-Vermehrer, lud Herr Koch zu einer Besichtigung seines Maschinenparks ein. Dass bei diesem Produktionszweig häufig Erfindergeist gefragt ist, wurde den Junglandwirtinnen und Junglandwirten besonders angesichts des eigens konstruierten Saugers deutlich. Dieser wird für die Ernte von Arten eingesetzt, die ihre Samen über den Wind verbreiten, wie z.B. der Steifhaarige Löwenzahn (Leontodon hispidus) - ein Verwandter der allseits bekannten „Pusteblume“.

Im Anschluss ging es für die Gruppe zu den Anbauflächen des Landwirts bei Kupsal. Hier stellte Herr Koch bei einem Feldrundgang seine Wildpflanzenkulturen vor, von denen einige bereits in voller Blüte standen. Die Wildpflanzen werden bei ihm überwiegend reihenweise in Dammkultur angelegt und können teilweise bis zu fünf Jahre beerntet werden. Als eine besondere Herausforderung bei der Vermehrung von Wildpflanzen gilt die Ernte der Samen. Anders als bei gängigen Kulturpflanzen reifen Wildgräser und -kräuter oft ungleichmäßig ab, sodass sich bei einigen Arten nahezu täglich reife Samen entwickeln.

Herr Koch kann bereits auf eine breite Palette an Erfahrungen in der Wildpflanzenvermehrung zurückblicken, dennoch lernt auch er jeden Tag dazu. Genau das macht für den Landwirt den Reiz am Anbau der Sonderkultur Wildpflanze aus. Dass die Vermehrung von gebietseigenem Saatgut nicht nur wirtschaftlich attraktiv ist, sondern auch ein besonders vielseitiger Produktionszweig ist, konnte Herr Koch dem landwirtschaftlichen Nachwuchs an diesem Feldtag vermitteln.

Wir bedanken uns bei allen Beteiligten für den spannenden Feldtag und hoffen mit den Einblicken in den Betrieb von Karl Koch das Interesse am Anbau und der Vermehrung von Wildpflanzen geweckt zu haben.

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Viele Arten werden vorab als Jungpflanzen herangezogen.

Selbst konstruierter Sauger für die Ernte von Korblütler-Samen.

Blütenpracht des Barbara-Krauts (Barbarea vulgaris).

Das Echte Herzgespann (Leonurus cardiaca) ist auch als alte Heilpflanze bekannt.