Netzwerktreffen sächsischer Wildpflanzen-Vermehrungsbetriebe

29.06.2021

Am 23. Juni trafen sich auf Einladung der Rieger-Hofmann GmbH und des DVL die sächsischen Produzentinnen und Produzenten von Wildpflanzensaatgut auf einem der Vermehrungsbetriebe im Freistaat, um sich über praktische Fragen des Anbaus und des Vertriebs sowie aktuelle Herausforderung Ihrer Arbeit auszutauschen.

In diesem Jahr öffnete Torsten Wein die Tore seines Betriebes in der Gemeinde Wechselburg. Vor zwei Jahren wurde er auf die Wildpflanzenvermehrung aufmerksam, besuchte einen Feldtag zum Thema und nahm anschließend Kontakt zur Rieger-Hofmann GmbH auf, für die die meisten sächsischen Vermehrungsbetriebe ihr Saatgut produzieren. 2020 pflanzte er auf etwa 0,5 Hektar sechs Wildpflanzenarten an und investierte in spezielle Maschinen und Anbaugeräte. Dieses Jahr steht bei einigen Arten die erste Ernte an.

Eindrucksvoll schilderte Herr Wein den 12 teilnehmenden Berufskolleginnen und -kollegen seine bisherigen Schritte und betonte, dass ihm neben Ausdauer, Lern- und Risikobereitschaft besonders auch die Unterstützung und Beratung etablierter Wildpflanzenvermehrer auf seinem Weg geholfen haben. Denn das Wissen zum Wildpflanzenanbau findet sich nicht in Büchern, sondern wird durch eigene Erfahrungen und den Austausch zwischen den Betrieben gewonnen. Beim Feldrundgang erhielt Herr Wein dann auch viele wertvolle Hinweise zu Bestandsführung und Ernte. Gerade auf die ersten ein, zwei Jahre kommt es an! Da entwickeln sich – teilweise auch recht langsam – die Wildpflanzen-Bestände auf dem Acker, auf dem sie dann bei guten Rahmenbedingungen mehrere Jahre Ertrag bringen können. Dafür ist es unter anderem sehr wichtig, dass bis zum Lückenschluss der Pflanzen eine regelmäßige und sorgfältige Bekämpfung des Beikrauts durchgeführt wird. Sonst wachsen einem die unerwünschten Gräser und Kräuter in den Folgejahren über den Kopf.

Nicht nur Neueinsteiger Torsten Wein, der den Wildpflanzenanbau im Nebenerwerb aufbaut, profitierte von dem Netzwerktreffen. In einer Gesprächsrunde in der sanierten Maschinenhalle von Familie Wein tauschten sich die verschiedenen Betriebe, darunter auch erstmals ein regionaler Gemüsejungpflanzenbetrieb, über ihre Erfahrungen und gegenwärtige Herausforderungen aus. Bei der Basissaatgutsammlung hat sich beispielsweise bei einigen Betrieben inzwischen eine gute Zusammenarbeit mit den unteren Naturschutzbehörden, die für die Erteilung von Sammelgenehmigungen zuständig sind, etabliert. Dennoch gibt es in manchen Landkreisen immer noch zu lange Bearbeitungszeiten und in der Praxis kaum umsetzbare Auflagen, die die Saatgutsammlung erschweren oder gar verhindern. Sehr hilfreich wäre es zudem, wenn die Naturschutzbehörden bei der Suche nach geeigneten Spenderflächen unterstützen könnten, denn naturnahe und artenreiche Wiesen sind in vielen Regionen selten geworden und oft nur noch in Schutzgebieten zu finden.

Als sehr positiv wurde das Engagement des Gemüsejungpflanzenbetriebes wahrgenommen, der inzwischen für mehrere Wildpflanzen-Vermehrungsbetriebe in Sachsen und Brandenburg Jungpflanzen heranzieht. Ein spannendes neues Betätigungsfeld, denn die Unterschiede zwischen Zucht- und Wildpflanzensaatgut sind groß. Beispielsweise benötigen gerade mehrjährige Wildpflanzen oft längere Zeiträume für die Keimung und laufen unregelmäßig auf. Bei Wildpflanzensaatgut ist die geno- und phänotypische Heterogenität innerhalb einer Art explizit gewollt, bei Zuchtsaatgut von Kulturpflanzen dagegen ein Zeichen unzureichender Saatgutqualität. Maschinen und Abläufe in einem Anzuchtbetrieb sind auf Homogenität ausgerichtet. Mit Neugier, Lernbereitschaft und Geduld ist es aber durchaus möglich, auch die „wilden“ Gräser und Kräuter zu kräftigen Jungpflanzen anzuziehen.

Einig waren sich alle Beteiligten, dass die Produktion von Wildpflanzensaatgut sowohl in Menge als auch Artenspektrum noch deutlich wachsen muss – und zwar schnell! Denn der Verlust der Arten- und Lebensraumvielfalt ist dramatisch und schreitet weiter voran. Naturnahe artenreiche Wiesen, Feld- und Straßenränder und kommunale Grünflächen, die mit gebietseigenem Wildpflanzensaatgut angelegt werden, können einen wichtigen Beitrag leisten, um diesem Trend entgegenzuwirken.

Wir danken Torsten Wein und seiner Familie herzlich für Ihre Gastfreundschaft und allen Beteiligten für Ihr Interesse und ihr Engagement für das wichtige Thema Wildpflanzenvermehrung!

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Erfahrungsaustausch zwischen Mähdreschern (Foto: DVL)

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