Wildpflanzen-Feldtag für landwirtschaftlichen Nachwuchs

01.06.2021

Bei bestem Frühlingswetter führte das Projekt „DiverGenPlus“ in Zusammenarbeit mit dem Landwirt Karl Koch am 18. Mai 2021 einen Wildpflanzenfeldtag für die zwei Abschlussklassen des Fachschulzentrums Freiberg-Zug durch.

Die 35 jungen Frauen und Männer werden dieses Jahr nach einer dreijährigen Fortbildung ihren Abschluss zur/zum staatlich geprüften Techniker/in für Landbau machen. Zusammen mit ihren Lehrern Andreas Golde und Kai Pönitz besuchten Sie den landwirtschaftlichen Betrieb von Karl Koch in der Verwaltungsgemeinschaft Krostitz bei Leipzig, um einen Einblick in einen eher weniger bekannten Betriebszweig zu erhalten: die Produktion von Wildpflanzensaatgut. Koch, selbst Absolvent des Fachschulzentrums, begann vor sieben Jahren mit dem Anbau verschiedener Wildgräser und Wildkräuter auf seinen Ackerflächen. Mittlerweile wachsen bei ihm etwa 20 Arten auf insgesamt 13 Hektar, darunter Knautia arvensis (Acker-Witwenblume), Salvia pratensis (Wiesen-Salbei), Hypochaeris radicata (Gewöhnliches Ferkelkraut) und Alopecurus pratensis (Wiesenfuchsschwanz).

Für viele der Fachschülerinnen und Fachschüler war das Thema Wildpflanzenvermehrung noch recht neu und so gab Maria Höhne, Leiterin des Projektes „DiverGenPlus“ beim DVL e.V., in einem Einführungsvortrag zunächst einen Überblick über die Hintergründe und fachlichen Grundlagen dieses spannenden Produktionszweiges. Im Mittelpunkt standen dabei der Ablauf der Wildpflanzenvermehrung – von der Sammlung des Basissaatguts bis zur Reinigung des geernteten Saatguts – sowie die Zertifizierung und Vermarktung des Produktes.

Anschließend zeigte Karl Koch bei einer kleinen Vorstellung seines Maschinenparks, dass beim Anbau, der Pflege und der Ernte der Wildpflanzen auch ein gewisser „Tüftlergeist“ gefragt ist, denn gängige Maschinen und Anbaugeräte aus der Landwirtschaft und dem Gartenbau müssen häufig für die „wilden Gewächse“ umgebaut oder gänzlich neu erfunden werden. Für die Ernte der Korbblütlersamen werden beispielsweise spezielle Sauger konstruiert, mit deren Hilfe die luftig-leichten Fallschirmchen aufgenommen werden können.

Im zweiten Teil der Veranstaltung stellte Karl Koch bei einem Feldrundgang in Kupsal beispielhaft einige der angebauten Wildpflanzen vor. Viele Arten lässt er vorab zu Jungpflanzen heranziehen und setzt sie dann mit der Pflanzmaschine in Dammkultur in den Boden. Auch Direktsaat ist möglich, erfordert aber ein sehr sorgsames Beikrautmanagement, da die Jungpflanzenentwicklung bei Wildgräsern und Wildkräutern ungleichmäßiger und langsamer verläuft als bei gängigen landwirtschaftlichen Kulturpflanzen. Eine regelmäßige genaue Beobachtung der Bestände sowie eine gute Portion Geduld sind unerlässlich, wenn man erfolgreich Wildpflanzen anbauen möchte.

Dass es sich nicht nur wirtschaftlich lohnt, in die Wildpflanzenvermehrung einzusteigen, machte Karl Koch bei seinem Feldrundgang deutlich: Es sei eine Freude, sich mit einer großen Vielfalt an unterschiedlichen Arten zu beschäftigen, und jeden Tag etwas Neues dazuzulernen. Nicht zuletzt machen die kleinteiligen Vermehrungsflächen auch optisch etwas her: während der Blütezeit ab Mitte Mai leuchten sie in einer Vielzahl von Farben inmitten monotoner Raps- und Getreidefelder.

Wir danken allen Beteiligten für den interessanten Feldtag und hoffen, dass der Funke übergesprungen ist und der/die eine oder andere der Junglandwirtinnen und Junglandwirte die Möglichkeit aufgreift, die Wildpflanzenvermehrung im heimischen Betrieb als spannendes wirtschaftliches Standbein zu etablieren.

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Aufmerksames Publikum in der Maschinenhalle von Karl Koch (rechts im Bild).

Der Wiesensalbei beginnt gerade mit der Blüte.

Mechanische Beikrautbekämpfung ist von großer Bedeutung beim Wildpflanzenanbau – hier mit einem Beetflieger zur Arbeitserleichterung der Saisonkräfte.

Die Kuckucks-Lichtnelke in voller Blütenpracht.