Wildpflanzentag bei der Waldenburger Agrar

12.07.2022

Am 29. Juni 2022 fand der Wildpflanzentag beim Familienunternehmen Waldenburger Agrar statt. Die Veranstaltung wurde in Kooperation zwischen der Rieger-Hofmann GmbH und dem DVL ausgerichtet. Das Interesse war groß: Gut 70 Teilnehmende aus Landesamt und Ministerium, Naturschutzbehörden, Saatgut-Anbaubetrieben, Landschaftspflegeverbänden, Landestalsperrenverwaltung und Planungsbüros nutzten die Veranstaltung, um sich über die Produktion und Verwendung von gebietseigenem Saatgut in Sachsen zu informieren.

In einem Einführungsvortrag gab Maria Höhne, Leiterin des DVL-Projekts „Wildes säen - Vielfalt ernten“ zunächst einen Überblick über die Hintergründe und fachlichen Grundlagen der Wildpflanzenvermehrung und betonte, dass angesichts der stetig wachsenden Nachfrage an gebietseigenem Saatgut der Bedarf in Sachsen mit der aktuellen Produktion nicht gedeckt wird. Es werden weitere Vermehrungsbetriebe benötigt: für die Vermehrung von verschiedenen Arten, Mengen und Produktionsschritte eignen sich unterschiedliche Betriebsstrukturen in Landwirtschaft und Gartenbau.

Bei der Besichtigung des Betriebsgeländes und der Anbauflächen gaben Hendrik und Georg Stiegler, die beiden Geschäftsführer der Waldenburger Agrar, Einblicke in die Praxis des Anbaus von Wildpflanzen. Erst im Jahr 2020 hat das Familienunternehmen, das rund 1000 Hektar Ackerland bewirtschaftet, mit dem Anbau von Wildpflanzen begonnen. Heute baut Familie Stiegler auf rund 10 Hektar fünf Wildpflanzen-Arten, darunter Wilde Möhre, Kornblume und Sauerampfer, an. Von Vorteil für den Einstieg in die Wildpflanzenvermehrung waren die langjährigen Erfahrungen des Betriebes im Bereich der Sonderkulturen. Neben der Vermehrung von Rotklee und Grassamen, ist hier besonders der Anbau von Speise-Mohn hervorzuheben. Seit Anbaubeginn im Jahr 2012 hat sich der Betrieb zu einem der größten Mohnanbauer Deutschlands entwickelt. Daher verfügt der Betrieb über eine gute technische Ausstattung zur Pflege und Ernte der Wildpflanzen sowie dem entsprechenden Knowhow und Gerät zur Trocknung des Saatguts. Dennoch war auch Familie Stiegler, wie viele andere Neueinsteiger in der Wildpflanzenvermehrung, mit Herausforderungen konfrontiert. Das Einschätzen des richtigen Zeitpunkts für die Aussaat und die Ernte stellte am Anfang eine gewisse Schwierigkeit dar, da die Entwicklung von Wildpflanzen - anders als bei klassischen Ackerkulturen- sehr variabel verlaufen kann. Welche Rolle Geduld und Erfahrung bei dem Anbau von Wildpflanzen spielen, wurde anhand der Anbau-Fläche der Wiesen-Flockenblume deutlich: nachdem die Samen im Herbst eingesät wurden und im darauffolgenden Frühjahr noch keine Keimlinge zu sehen waren, wollten die Landwirte die Parzelle anderweitig nutzen. Doch glücklicherweise holten sich Stieglers vor der Neueinsaat den Rat eines erfahreneren Produzenten ein, der sie dazu anhielt - abzuwarten. Und tatsächlich, nach einiger Zeit wuchsen die Jungenpflanzen der Wiesen-Flockenblume heran und bilden bereits im zweiten Standjahr einen dichten Bestand.

Zum Abschluss des Wildpflanzentages waren alle Teilnehmenden dazu eingeladen, sich bei einem Imbiss in der Maschinenhalle zu stärken und miteinander ins Gespräch zu kommen. Auch die technische Ausstattung, die zur Bestandspflege und Ernte der Wildpflanzen genutzt wird, konnte bei dieser Gelegenheit genauer inspiziert werden. Eine Besonderheit im Fuhrpark der Stieglers ist eine Robocrop geführte Hacke mit Bildverarbeitungssystem, über welche eine genaue Reihenverfolgung ermöglicht wird. Die Hacke kommt hauptsächlich für den Mohn-Anbau zum Einsatz, erweist sich aber auch auf den Wildpflanzen-Anbauflächen zur Unkrautbekämpfung als nützlich. Trotz aller Technik machten die Landwirte jedoch deutlich, dass der Anbau von Wildpflanzen oft nicht ohne den Einsatz von Handarbeit möglich wäre.

Wir danken Familie Stiegler für Ihre Gastfreundschaft und allen Beteiligten für Ihr Interesse und Ihr Engagement für das wichtige Thema Wildpflanzenvermehrung!

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Maria Höhne gibt einen Überblick über den Stand der Wildpflanzenvermehrung in Sachsen.

Besichtigung der Anbaufläche der Wilden Möhre.

Blick in den Trockencontainer mit Rührschnecke- hier werden die Samen der Kornblume getrocknet.

Dichter Bestand der Wiesen-Flockenblume mit erster Blüte.