Fachbegriffe

In §40 (1) BNatSchG sind einige Fachbegriffe aufgeführt, die zum besseren Verständnis hier kurz erläutert werden sollen.

Der Begriff Art umfasst nach §7 Absatz 2 BNatSchG jede Art, Unterart oder Teilpopulation einer Art oder Unterart, das heißt auch die genetische Herkunft der einzelnen Pflanze oder des Saatguts wird bei der Beurteilung "Gebietseigen oder nicht?" herangezogen.

Als gebietseigen werden Pflanzen bzw. Sippen bezeichnet, die aus Populationen einheimischer Sippen stammen, welche sich in einem bestimmten Naturraum über einen langen Zeitraum in vielfachen Generationsfolgen vermehrt haben und bei denen eine genetische Differenzierung gegen Populationen der gleichen Art aus anderen Naturräumen anzunehmen ist (BMU 2012). Gebietsfremd sind damit im Umkehrschluss nicht nur aus anderen Ländern eingeschleppte Neophyten. Auch Unterarten und sogar Populationen von Arten, die grundsätzlich in Deutschland vorkommen, können in einem bestimmten Naturraum Deutschlands gebietsfremd sein, wenn ihr genetischer Ursprung in einem anderen Naturraum liegt.

Welches Gebiet jeweils gemeint ist, wurde im Bundesnaturschutzgesetz nicht definiert, sondern später in wissenschaftlichen Studien ausgearbeitet, deren Ergebnisse allgemein anerkannt und für die Umsetzung des §40 (1) übernommen wurden. Damit werden in Deutschland 6 Vorkommensgebiete für Gehölzarten und 22 Ursprungsgebiete für Gräser und krautige Pflanzen unterschieden. Ein Vorkommensgebiet oder ein Ursprungsgebiet bezeichnet eine geografische Region, innerhalb derer das Erbgut der dort heimischen Wildpflanzen nach derzeitigem Kenntnisstand identisch ist.

Auch der Begriff der freien Natur erfuhr keine Definition im Bundesnaturschutzgesetz, wird aber in Veröffentlichungen des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit und des Bundeamtes für Naturschutz ausdifferenziert. Die freie Natur wird demnach als Gegenstück zum besiedelten Bereich verstanden, wobei aber auch naturnahe Freiflächen innerhalb von Ortschaften zur freien Natur gezählt werden können. Auch Flächen der Land- und Forstwirtschaft gehören zur freien Natur, allerdings sind diese von der Genehmigungspflicht nach §40 (1) befreit. Park- und Sportanlagen, Friedhöfe, Privatgärten, Splittersiedlungen, Wochenendhausgebiete werden dagegen nicht der freien Natur zugeordnet.

In §40 (1) BNatSchG heißt es:

1) Das Ausbringen von Pflanzen in der freien Natur, deren Art in dem betreffenden Gebiet in freier Natur nicht oder seit mehr als 100 Jahren nicht mehr vorkommt* sowie von Tieren bedarf der Genehmigung der zuständigen Behörde. [...] Die Genehmigung ist zu versagen, wenn eine Gefährdung von Ökosystemen, Biotopen oder Arten der Mitgliedsstaaten nicht auszuschließen ist. Von dem Erfordernis der Genehmigung sind ausgenommen:

1. der Anbau von Pflanzen in der Land- und Forstwirtschaft [...]

4. Das Ausbringen von Gehölzen und Saatgut außerhalb ihrer Vorkommensgebiete bis einschließlich 1. März 2020 [...].

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